Stadthaus Zürich: Ein paar geschichtliche Hintergründe zum Anfang
Über das Inkrafttreten des neuen Partnerschaftsgesetzes am 1. Juli 2022 freuten sich viele gleichgeschlechtliche Paare. Es gab ihnen, wie anderen Verliebten, die Möglichkeit, einen Bund fürs Leben auch vor dem Gesetz zu schliessen. (1) Menschen mit Transidentität können seit Beginn desselben Jahres mit Inkrafttreten der neuen Zivilstandsverordnung unbürokratisch ihren Namen und ihr Geschlecht ändern. (2) Diese beiden Meilensteine stehen in der Folge vieler historischer Ereignisse. Von einigen möchte ich euch hier auf einem Stadtrundgang durch Zürich erzählen.
Das neue Partnerschaftsgesetz trat achtzig Jahre nachdem 1942 homosexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen in der Schweiz entkriminalisiert worden waren. Damals war die Schweiz eine Insel in Europa, in der sich Menschen freier austauschen und sich eine kulturelle Szene entfalten konnte (wie ihr beim Theater Neumarkt lesen könnt).(3) Dies hiess jedoch nicht, dass man damals keine rechtlichen Konsequenzen oder gesellschaftliche Repressionen befürchten musste.
Röbi Rapp und Ernst Ostertag signieren die Partnerschaftsurkunde, Fotograf unbekannt, Besitzer unbekannt, Schwulenarchiv Schweiz, ID 0263b
So wurde zum Beispiel der Strafbestand der Erregung öffentlichen Ärgernisses durch Homosexualität erst mit der Strafrechtsreform 1991 abgeschafft. Die Reform stellte heterosexuelle und homosexuelle Beziehungen gleich. Seitdem können homosexuelle Paare am öffentlichen Leben erstmals teilnehmen, ohne eine strafrechtliche Verfolgung zu befürchten. Weiterhin wurde sexuelle Belästigung durch gleichgeschlechtliche Personen strafbar. Fünfundsechzig Jahre nach der Entkriminalisierung von homosexuellen Beziehungen behandelte das Schweizer Recht gleichgeschlechtliche Paare jedoch immer noch als “Fremde”. Ihre Beziehung war im rechtlichen Sinn nicht existent. Das Inkrafttreten des revidierten Partnerschaftsgesetzes im Januar 2007 ermöglichte erstmals die Registrierung von Partnerschaften. Dadurch erhielten Partner beispielsweise Besuchsrecht im Krankenhaus. Sie konnten sich nun gegenseitig als Erben begünstigen oder wurden bei der Trennung unterhaltsberechtigt.(4)
Quellen
(1) Stadt Zürich, https://www.stadt-zuerich.ch/prd/de/index/bevoelkerungsamt/heiraten/ehe-fuer-alle.html, zuletzt besucht 16.9.23.
(2) Schweizerische Eidgenossenschaft, Der Bundesrat, https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-85588.html, zuletzt besucht 16.9.23
(3) Historisches Lexikon der Schweiz, Ein Unternehmen der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften, Homosexualität, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016560/2013-12-04/, zuletzt besucht 17.10.2023.
(4) Schwulengeschichte.ch, History of Gays in Switzerland, Histoire des Gais en Suisse, Zeittafel 2010 - 2019,https://schwulengeschichte.ch/zeittafeln/2010-2019, zuletzt besucht 16.09.23