Mühlebachstrasse 125: Wo die Zeitschrift “Der Kreis” entstand

Ab 1953 wurde die Zeitschrift Der Kreis an der Mühlebachstrasse 125 herausgebracht. Dort lebte auch der jahrelange Herausgeber und Autor Karl Meier mit seinem Lebensgefährten und Mitarbeiter Fredi Brauchli. Karl Meier war ein berühmter Theaterschauspieler, Radio- und Hörspielsprecher.(1) Seit 1938 beteiligte sich auch Eugen Lauterbach als Geldgeber und Redakteur.(2) Die Zeitschrift publizierte homoerotische Kurzgeschichten und Kunst, Buchbesprechungen und wissenschafttliche, religiöse und rechtliche Artikel zur Homosexualität. Er propagierte ein moralisches Bild eines “idealen Schwulen".(3) Dieses Ideal ähnelte dem damaligen heterosexuellen Lebensmodell: Monogame Partnerschaften, männliches Erscheinen und die Erfüllung gesellschaftlicher Verpflichtungen. Dazu gehörte auch, sich in der Öffentlichkeit nicht weiblich zu geben und generell Verhaltensweisen zu vermeiden, die in der Gesellschaft als anstössig empfunden werden könnten. Diese konservative Lebensart fand im Verlauf der 60er Jahre immer weniger Zuspruch. Was mit zum Ende der Zeitschrift beitrug.

Illustration Federzeichnung von Bernardino del Boca, 1919 - 2001, DEDICATO AL SIGNOR EUGEN LAUBACHER, Quelle: Nachlass Eugen Laubacher/Charles Welti. Künstler: Bernardo del Boca. Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz Zuerich © Schwulenarchiv Schweiz Zuerich ID 0123

Wie mit den Tanz- und Theateraufführungen im Neumarkt musste man auch mit dem Inhalt der Veröffentlichungen überaus vorsichtig umgehen. Das strenge Einhalten gesetzlicher Vorschriften, wie keinerlei Pornografie oder Werbung für Stricher (schwule männliche Prostituierte) waren Grundvoraussetzung, damit die Sittenpolizei jede einzelne Ausgabe zur Veröffentlichung frei gab. Die Zeitschrift wurde nur an Abonnenten über 21 Jahren verschickt.(4)

Karl Meier und seine Kollegen mussten für den Fortbestand der Zeitschrift und allgemein für ein Leben als homosexuelle Person einen schmalen Grad gehen. Dies war exemplarisch für diese Zeit. Das Schweizer Schwulenarchiv bezeichnet diese Situation als ein Leben im Homosexuellen-Ghetto.(5) Verhielten sie sich nach aussen angepasst und fielen nicht auf, waren sie rechtlich und gerade so gesellschaftlich geduldet. Um sich gegen aussen zu schützen, sich aber trotzdem immer noch innerhalb ihrer Community ausleben zu können, legten sich einige Pseudonyme zu und lebten ein Doppelleben. So nannte sich Karl Meier als Autor und Herausgeber des Kreises “Rolf”. Eugen Lauterbach führte ein Doppelleben als Banker und als Redakteur des Kreis unter dem Namen “Charles Welti”.(6)

Eugen Lauterbach archivierte viele Unterlagen, die sich im Lauf der Jahre im Verlag angesammelt hatten. Die Unterlagen stehen heute der Forschung im Schwulenarchiv zur Verfügung. Dieses ist im Sozialarchiv Zürich beherbergt. Auf der Website des Schwulenarchives haben ich viele wichtige Informationen für diese Website gefunden.

 
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